Archive for the ‘Musik und Mehr’ Category

Seitenflügel, vierte Etage

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Dexter
Aufnahme: Cutterlysator
Text: Steiner

Hängen geblieben im letzten Jahrzehnt.
Meiner einer Kumpel schwärmt,
der andere gähnt.
Tags im Hausflur, Eier auf Busse,
Trommeln am Kolle und feiern wie Russen.
Dit is P-Berg, nicht Paris Montmartre.
Man kennt meinen Bezirk von einer Doku auf arte.
ich bin der King, P-Bergs Bonaparte,
komm mich besuchen in meinem kleinen Appartment,
Seitenflügel, vierte Etage, direkt unterm Dach,
an der Tür steht mein Name,
ich mache Dir auf,
fall Dir in die Arme,
dann nehmen wir was auf,
später gehen wir noch baden,
machen ein drauf mit nem Glas Limonade
und leckerem Eis und sehen nicht mehr gerade.
Dahinten wohnt Tille,
da kann man mal bimmeln,
das Fenster steht offen,
ich hör viele Stimmen.
Max und Martin, Serch und V-Mann
trifft man in seinem Studioraum an,
alle hören Traumzauberbaum an.
Mimelitt das Stadtkaninchen
repräsentiert unsere Stadt Berlinchen,
Knusperflocken und Filinchen
dit kennt man nur hier
und nicht in München,
schließ die Augen, kannst Dir wat wünschen.
Dit wird och in Erfüllung gehen
wenn wir auf den Dächern stehen
und hoch zu den Sternen sehen (3x)

Berlin Babylon

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Tillevision:
Text: V-Mann, Steiner

V-Mann: Willkommen in Babylon.
Menschen detonieren vor meinen Füßen wie Nagelbomben.
Ich sah es kommen.
Die Frustration artikuliert sich
auf den Straßen von Berlin.
Komm und sag mir, was Du siehst.
Soziale Wohnprojekte betten sich malerisch zwischen Bürokomplexen.
Yuppies chillen im Holodeck und nuckeln an Kokaretten. Ho!
Es ist der Erste des Monats.
Hol Dir Dein Scheck und dann lächle wie Freaks auf Amphetaminen.
Sieh wir der schwarz-rot-goldene Traum sich manifestiert
mit 24 mal 7 Dich hypnotisiert vor Deinem TV Screen, Kid!
Wirf einen Blick auf Dein versteinertes Konterfei.
Diese Welt ist bevölkert von Zombies.
Alles ist Sonnenschein.
Werft die Bombe! Ihr Bitches, die Show läuft nicht.
Die Politik prostituiert sich.
Die 110 ist ein Witz.
Die Uniform winkt mit der Walther.
Ich winke mit der Flag,
gewidmet allen Mutterfickern und den Kindern dieser Stadt.

Steiner: Neohippies leben zurückgezogen in der Lychner Straße
und trommeln nur für Workshops, für die sich sich bezahlen lassen.
Es gibt Leute, die versuchen sich selbst treu zu bleiben
In meinem Alter trennt sich langsam auch die Spreu vom Weizen.
Sie waren jung und revolutionär, doch nur in der Szenekneipe
und lamentierten in Endlosschleifen, wenn es draußen Steine schneite.
Reisebusse sind mir egal geworden wie bavarische Touristenhorden.
Was machen die Kommunisten morgen? Sag es mir und Du kriegst einen Orden.
Den Thälmannpark gibt es immer noch. Den haben sie noch nicht umbenannt.
Da sind wir damals rum gerannt mit einem Streichholz in der Hand
und haben alles angebrannt. Uns fehlte ein bisschen Sachverstand.
Du findest mein Leben interessant. Warum ist Deins nur nicht so spannend.

Berlin Prenzlauer Berg ist meine Heimat, Dimi, Bonni und Hans Beimler, Anton Saefkow und Erich
Weinert.

Ich war mit Mädels demonstrieren für sowas wie eine bessere Welt.
Nachts klauten sie teure Bikes und machten tierisch Geld.
Unser neuer Hausbesitzer war ein krasser Ossihasser,
dropte Tempo-Taschentücher und stank voll nach Köllnisch Wasser.
Er war ein Botschafter der Unbarmherzigkeit,
hielt drei Polen aus Zakopane für die schwerste Drecksarbeit.
Hochstapler, Jobjäger, Drückerbanden, Abkassierer,
Autohändler, Treuhänder, Aufbau-Ost-Subventionskassierer.
Unser Nachbar gegenüber kam auch mit der neuen Zeit nicht klar,
sah wie sein verdrehter Körper auf der anderen Straßenseite lag.
Weiße Kittel packten ihn an seinen blutdurchtränkten Jeans,
fuhren seinen Körper durch Berlin zur Gerichtsmedizin.
Er ist tot wie seine Heimat.
Seine Frau hat ihm verziehen.

Berlin Prenzlauer Berg ist meine Heimat.
Die Fassaden sind Sargdeckel der Geschichte von Jenz Steiner (2x)

Berlin, Berlin Du bist Scheiße

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Drumkid
Aufn., Backup Vocals: Cutterlysator
Text: Steiner

Ich brauch kein gottverdammtes deutsches Ordnungsamt.
Ich will ne Straßenbahn und keine Metrotram.
Was muss P-Berg plötzlich Teil von Pankow sein?
Was sucht der Görlitzer Park im Friedrichshain.
Ich würd auch gern mal wieder richtig baden gehen,
doch die Halle ist dicht.
Nichts da mit Bahnen drehen.
Grund genug durchzudrehen,
doch es ist wie es ist.
Berlin, Du bist so scheiße.
Berlin, Du bist beschis-ssen.
Wenn ich heut durch meine Straße geh,
tut mir gleich der Magen weh,
wenn ich den Schwabenladen seh.
Wo ist die Späte hin?
Wo sind die Kumpels hin?
In meiner alten Buchte wohnt ein Yuppie-Pärchen drin.
Papi hat die ganze Hütte ausgebaut,
doch der Schwabenvermieter hat das ganze Haus beklaut.
Tags im Hausflur, rausgeruppte Stukkatur,
Videoüberwachung, neue Sicherheitsstruktur.

Berlin, Berlin, Du bist scheiße, aber trotzdem ganz schön geil. (2x)

Komm nach Berlin, um Dich auszuleben.
Berlin, die Stadt der Clubszene mit Nachtleben.
Das Künstlereldorado mit Radio Paradiso.
An jeder Ecke trifft man Stars,
natürlich alle incognito.
Brachland, alte Fabriken,
leerstehende Läden,
an jeder Ecke Streetart,
Hundekacke auf den Wegen.
Das ist das passende Millieu für Dich.
Du sprudelst vor Ideen.
Es gibt nur eine Stadt für Dich
und das ist Spreeathen.
Dein Haus ist frisch saniert,
die Lieblingsbar ein bisschen ranzig.
Du gehst in Clubs, bist Mitte zwanzig.
Aber Du tanzt nicht.

Berlin, Berlin, Du bist Scheiße, aber trotzdem ganz schön geil. (2x)
Berlin, Berlin, Du bist Scheiße, richtig Scheiße.

P-Berg-Kids

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Tillevision
Text: Steiner

P-Berg Kids! Hebt Eure Arme hoch und wenn
ihr nicht aus P-Berg seid, ja dann macht ihr dit och
und wie Du hier vorne tanzt, dit jefällt mir ziemlich jut,
ick bin überzeugt davon, Dir liegt dit feiern im Blut.
Steck mir Deine Zunge raus
kassier’ vom Publikum Applaus,
öffne noch den Hosenstall,
dann kriegst Du von mir noch Beifall.
Händeklatschen, Tanzbeinschwingen,
schön Jenz Steiner Lieder singen.
Aus allen Kehlen, laut krakeelen,
Party rocken, Nachbarn quälen.
Nach dem Konzert haste bemerkt,
dit Geld war et Wert
hier hinzugehen und rumzustehen
und so ‘ne krasse Show zu sehen.
Nächstet mal, da kommste wieder.
Kennst ja jetzt schon alle Lieder.
Schwingste fleißig Deine Glieder
im Knaack Klub oder der Maria.
Aufm Heimweg an der Haltestelle
machst Du Deine Tags voll schnelle.
Fünf Uhr morgens, wird schon helle.
Pseudointelektuelle
halten Dich fürn Streetartist,
weil Du Deinen Namen pisst,
im Walkman laufen Arsonists,
Bahn verpasst, na so ein Mist.
Musste wieder ewig laufen,
kannst Dir noch ne Brause kaufen.
Im Späti an der Dimitroff
um die Zeit haben die noch off.
Bei Bäcker Lau, da gibt’s schon Brötchen.
Dafür lieb ich dieses Städtchen.
mmmh, wunderbar und warm und knackig,
doch 90 Cent für drei Schrippen sind voll happig.
Im Osten hat ein Brötchen nur fünf Pfennig gekostet.
Im Osten hat ein Brötchen nur fünf Pfennig gekostet!
Sind wir dafür 89 auf die Straße gegangen?
Nein. Äh, ich meine doch.
Ich sage NEIN und meine DOCH.
Ich sage NEIN und meine DOCH!

Biogebärmaschinen

Thursday, May 14th, 2009

Musik, Cuts: DJ V.Raeter
Text: Steiner

Prenzlauer Berg ist Ballermann Sieben.
Es bleibt mein Bezirk.
Ich kann ihn nur lieben.
Seine neuen Bewohner
kommen aus Hameln und Siegen.
Bio-Gebär-Maschinen,
die Kinderwagen schieben.
Is mir schon klar,
ich sag nichts, was du nicht weißt.
Is doch nicht wahr,
Steiner dreht sich im Kreis.
Ich weiß wie es mal war.
Ich spüre noch den Geist.
Der letzte Mohikaner,
über dem der Geier kreist.
Braucht mein Bezirk eine gated community?
Bis 1997 gab es hier sowas wie Unity.
Dimi 81, Atelier (89) – was wären wir ohne die?
Funkviertel forever, vergiss die Parole nie!

P-Berg, Fhain, Mitte, lass den Rest sein!
Funkviertel Allstars, zu denen müsst ihr nett sein.
Die in der letzten Reihe stehen, die Arme verschränken,
können, wenn sie ins Bettchen gehen,
nur noch an meinen DJ denken.
Der sieht auch ziemlich heiß aus
beim Platten auflegen.
Mädels, ich muss Euch enttäuschen.
Der Junge ist schon vergeben.
Viele Leute stört es, dass ich immer so ein Zeug räp,
doch die Stimmung hier im Saal
hängt ganz wesentlich von Euch äb.
Ihr könnt tanzen, an der Brause nippen
oder Eure Hüften schwingen,
könnt zu mir auf die Bühne kommen
und mit mir diese Hymne singen.
Von der Duncker zur Dimi
zur Prenzlauer Allee,
weiter reicht mein Horizont nicht,
doch ich find das voll okay.
Die Intensivstation wird heute Nacht belohnt.
Alle, die im Koma liegen,
wachen auf und sind voll stoned.
Das war ein Wortspiel mit meinem Nachnamen
und 1000 Rapper werden es morgen wieder nachahmen.
Yeah!

Aufschrei eines Jugendlichen

Thursday, May 14th, 2009

Musik, Cuts: DJ V.Raeter
Text: Steiner

Scheißegal, ich rapp immer nur dasselbe.
Immer wieder mein Bezirk.
Immer wieder Prenzlauer Berg.
ich kann nur sagen, ich kann es nicht ertragen,
dass sie alles zerfickt haben, was wir geschaffen haben,
was uns geprägt hat und Kriege überlebt hat
und Kunden, die ich nicht kenne,
nennen Berlin plötzlich B-Stadt,
wah, wah, wah, doch was soll das Gejammer?
Ich entertaine Schwabenwixer mit nem kleinen roten Hammer.
Ich weiß, ich habe keine Chance, aber ein gutes Gefühl,
denn Schwabenmuttis kriegen Angst.
Ich leg gern Feuer, werd schon bescheuert,
ich find okay, was ich tu, werd meine Unschuld nie beteuern.
Ich steh auf die Atzen, die Scheiben kratzen,
auf Tags von meinen Kumpels und ich hasse Schwabenbratzen.
Ich hab die Wut im Blut und erkläre den Krieg
gegen Zombies und Freaks und ich kämpf bis zum Sieg.
Schwaben hauen und Yuppies hauen,
vom Arbeiterbezirk zur Yuppietown.
Ich stell mich wirklich nicht wie der Hellste an,
doch weiß ich nicht, wie ich mir noch helfen kann.
Ich stell mich wirklich nicht wie der Hellste an,
doch weiß ich nicht, wie ich mir noch helfen kann.

Selbstmitleid

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Tillevision
Vogelstimmen: Cutterlysator
Text: Steiner

Mit Mucke wird von uns keener reich,
dit is klar wie Glas,
alles was wir haben können
ist ein Haufen Spaß
Wow, der Text ist tief,
doch wer zahlt dafür Kies?
Ich tu es trotzdem für Dich,
damit Du es genießt.
Wie oft gesagt, dit is Herzensache,
wir krachen ein
wie Mietskasernen in Karow
Mir kommen oft die Tränen,
wenn ich Kunden seh,
die im Young Collection Outfit ihre Runden drehen,
mit Kopftuch und ‘nem Basecap dabei.
Ich sag Dir eins mein Freund:
Ey, da haben wir nichts versäumt.
Du läufst rum wie ick,
ick latsch’ rum wie Du,
durch einen Bezirk, der uns prägt,
ich mach die Mucke dazu.
Mit Gründerzeitfassaden, Glas und Stahlbeton.
Ein Typ bleibt traurig stehen
mit Tränen wie King Kong.
Vorn an der Ecke, da warten
20 Mann auf grünes Licht vom Ampelmann
und jeder schiebt ‘nen Harten.
Sieh bloß keinem ins Gesicht,
außer hübschen Mädchen!
Frag mich bitte nicht warum.
Stell die Frage Gretchen.
Berlin wird dieses Jahr 770.
Die faltige Sau mit kalter Schnauze
find ich ziemlich niedlich.
Ich mag den Helmholtzplatz.
Ich mag den Kollwitzplatz.
Doch zwischen Kaffeetassen und Kinderwagen
ist für mich kein Platz.
Ich kann es nur wiederholen.
Wir können es nicht wieder holen.
Wir haben es fallen gelassen.
Jetzt können wir uns den Arsch versohlen.
Ich finde es voll doof, dass das so geschehen ist.
Was hab ich verbrochen, dass hier nichts mehr schön ist?
Ick mag den Mauerpark,
ick mag den Thälmannpark.
Ick wees wie et früher war,
doch dit jeht nie wieder klar.

Fall in Selbstmitleid und gib Dich auf!
Klar, wenn Dir dit irgendwat bringt – nur zu!
oder raff Dich auf und ball die Faust,
wie icke zum Beispiel. So!
Denn ich bin hier der letzte Kämpfer,
krieg andauernd krasse Dämpfer.
„In P-Berg wird sich nichts mehr ändern.“,
pfeifen die Spatzen vom Geländer.
Wahr haben will ich es trotzdem nicht,
auch wenn ich krass das Kotzen krieg.
Kaum noch Leute, die ich hier kenne,
wenn ich durch die Straßen renne.
„Ist vielleicht auch nicht so schlimm.
Man muss sich auch mal trennen können“,
meint mein bester Freund zu mir.
Will der mich jetzt provozieren
oder krass aufs Glatteis führen?
Wir haben hier doch was aufgebaut
und wenn man noch genau hinschaut,
dann kann man noch die Spuren sehen.
„Wilde 7“, „Atelier“ (89),
knutschen auf dem Nachhauseweg,
okay, das war nicht produktiv,
sitzt aber trotzdem ziemlich, ziemlich tief.
Lieber Superadiohörer!

Fall in Selbstmitleid und gib Dich auf,
aber warte damit bis nach der Sendung.
Oder raff Dich auf und ball die Faust.

Und dann gehen wir mal raus, wa?

Ähm, Arsch hoch, Arsch hoch, Arsch hoch, Arsch hoch,
sonst verbann ich Dich nach Mahlow,
P-Berg braucht ne Frieda Kahlo
und keinen Spießerstinknormalo,
der mich anzeigt, statt zu wixn,
und nüscht macht als rumzusitzen.
Gülle labern ist nicht schwer,
genauso wie Geschlechtsverkehr,
drum sind die Kitas nicht mehr leer.
Yuppiekinder in daycare
throw your hands up in the air
als wär ich cooler Bankräuber!
P-Berg war nie Pankow, yeah!
Rollt die Köpfe wie Robespierre!
Souverän und voll legere
lauf ich dann durch meine Hood
und sag hallo und fühl mich good.
Drück ich mich nicht deutlich aus?
Komm mit mir gleich noch heute raus!
Wir lachen Yuppiebräute aus. Hahaha.

Fallt in Selbstmitleid und gebt Euch auf,
oder lasst es bleiben.
oder rafft Euch auf und ballt die Faust.
Fallt in Selbstmitleid und gebt Euch
auf Superradio
oder rafft Euch auf und ballt die Faust.

Ein Mann, ein Werk

Thursday, May 14th, 2009

Sprecher: Jens Rosbach

Das Einzigartige an der Erscheinung des Bühnenwunders Jenz Steiner, von
ihrem Genialischen abgesehen, ist die vollkommene Deckung von Mann und
Werk. Er singt und lacht. Er schreibt mit dem Blut seines Herzens und
dem Saft seiner Nerven. Sein Leben abseits der musikalischen Arbeit ist
Vorarbeit zu dieser. Als deren Ergänzung dient es in nie erlahmender
Leidenschaft der Bekräftigung des geschriebenen und gesungenen Werkes,
für das er bereits an vielen hundert Abenden im Konzertsaal eintrat.

Seine Hingabe nutzt Steiner für das Erfassen und Erfüllen seiner
musikalischer Meisterschöpfungen. In der überwältigenden Wiedergabe der
beliebten und geliebten Werke „Schönhauser Allee“, „Zwei Rüstungen“ und
„Disko in der U-Bahn“ will Jenz Steiner dem Missverstehen, dem
Verfälschen und Verflachen durch die zeitgenössische Musik ein Bollwerk
der Emotionalität entgegensetzen. Hierzu legitimieren ihn seine
Herkunft, seine Begabung, seine Musikalität und sein affektgeladenes
Sprechorgan. Steiners Stimme ist der zarten lyrischen Schattierungen wie
des großen dramatischen Ausdrucks fähig.

Sein neues, nunmehr drittes Album „Steiner – wie er singt und lacht“ -
ein halbes Jahrzehnt ließ er es gedeihen, dient zu großen Teilen der
Reinigungsmission, zu der er sich in seiner Rolle als König vom
Prenzlauer Berg berufen fühlt, nämlich der Aufgabe, die Flecken, die ihm
sein Weltbild verhässlichen, die großen wie die winzigsten, mit der
scharfen Säure seines Hohns und Witzes, seiner doppelten Ironie anzugehen.

Im vergangenen Jahrzehnt gedieh durch seiner Hände Kraft eine reiche
poetische und aphoristische Produktion und ein dramatisches Oeuvre, als
dessen sinnbildlicher Gipfel die letzte Lebensphase seines Heimatbezirks
„Prenzlauer Berg“ erscheint. Die beschleunigte Umstrukturierung des
Raumes verwandelte Steiners Heimat, den einstigen Arbeiterbezirk und
Freiraum der Freidenker in eine geistige Höllenlandschaft in der
Spaßgesellschaft der bohemischen Bourgeoisie.

Steiner hat den schärfsten Blick für das Niedrige, Lächerliche,
Verlogene und Armseelige, dass sich in Drucklettern, in Buch, Zeitung
und neuen Medien manifestiert. Es ist Jenz Steiners überlegene Kunst, es
auf der Bühne in satirisches Licht zu rücken, in ein Licht von
erbarmungsloser und zerstörender Grellheit.
„Bühnenwunder Jenz Steiner, der König vom Prenzlauer Berg“ ist sich das
Maß aller Dinge, muss sich das wohl auch sein, um als orthodoxer
Einzelgänger sein Gleichgewicht unerschüttert zu bewahren.

Steiner versteht es, sich Feinde zu machen, im zwiefachen Sinne des
Wortes. Er modeliert sie in fruchtbarer Hassfantasie. Klägliches
Spießertum und unendliche Engstirnigkeit sind die Symptome einer Zeit,
die er seit Jahren mit nie befriedigtem Zorn bekämpft, hierbei wenig
beirrt von den Einflüssen so nebelhafter Sternbilder wie Objektivität
und Gerechtigkeit.

Tiefer als Jenz Steiner ist bisher kaum ein Zeitgenosse in den
Zaubergarten der Sprache eingedrungen. An den geheimnisvollen
Verflechtungen dessen, was dort in nie zu erschöpfendem Reichtum blüht,
hat er sein grenzenloses Entzücken. Der König vom Prenzlauer Berg ist
Hüter im Bezirk des Geistes, erbarmungslos im Attackieren und Abweisen
derer, die ihm den geheiligten Bezirk zu verunreinigen scheinen. Viel
Liebe für das Kleine nährt Steiners Hass gegen das Große. Ideal und
Wirklichkeit prallen in Steiner ständig aufeinander.
Die ihm nahe kommen, unterliegen dem Einfluss der dauernden
Hochspannung, in der sein Geist und sein Wille leben. Das wirkt
bezaubernd und bedrohlich zugleich. Vielleicht ist es dieses
Hochgespannte, das seine Erscheinung für Hass und Liebe so
unwiderstehlich anziehend macht. Das ist er. Das ist „Steiner – wie er
singt und lacht“.

Wir alle sind König

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Cutterlysator
Text: Steiner

Bühnenwunder Jenz Steiner, der King vom Prenzlauer Berg.
Ich bin der König vom Prenzlauer Berg.
Du bist der König vom Prenzlauer Berg.
Sie ist der König vom Prenzlauer Berg.
Er ist die Königin vom Prenzlauer Berg.
Wir alle sind König vom Prenzlauer Berg.
Ihr alle seid König vom Prenzlauer Berg.
So tanzen die Könige vom Prenzlauer Berg.
Wild tanzen die Könige vom Prenzlauer Berg.
Zeigt eure Arme, zeigt Eure Hufe!
Zeigt Eure Zähne! Wie laut könnt ihr rufen?
Lasst den Schweiß in den Augen brennen.
Alle, die flennen, können nach Hause rennen.
Ach, wie wunderschön.
Zu Euch spricht Bühnenwunder Jenz Steiner,
der King vom Prenzlauer Berg.
Steiner, wie er singt und lacht.
Die erste Hälfte des Albums habt ihr unbeschadet überstanden.
Freut Euch nun auf weitere 180 Minuten
voller ironischer Hassliebe zu meinem Heimatbezirk.

Komm, wir malen eine Sonne!

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Loco (Moskau)
aufn.: Cutterlysator
Text: Steiner

Ey, weeste wat?
Ick hab voll die bunte Kreide bei.
Cool, wa?
Komm wir malen eine Sonne und die wird auch richtig bunt.
Wenn wir hier uffm Helmi tanzen, jeht det richtig rund.
Nimm einne Eimer voller Kreide und mal einen großen Kreis
und sei bloß nicht zu bescheiden, Du bist doch kein Tattergreis.
Komm, fletz Dich uffn Boden und mal in großen Schwüngen
lila Sterne, grüne Wolken, da kann ich Dir n Lied von singen.
Kieka wie die Muttis gaffen, Bio-Kinder machen n Affen,
Ökoväter können’s nicht raffen.
Langsam fang ich an zu lachen.
Wat machtn da dit Ordnungsamt?
Buddeln mit de Schippe Sand.
Sühlen sich im Dreck und kiekn entspannt,
fühlen sich plötzlich anerkannt.
Alle schlürfen Limonade,
schlecken Eis mit Schokolade.
Der Sommer ist heiß.
Ick sitz uffm Radl.
Ick hüpp noch in See und jeh mit Dir baden.
Musste noch warten bis heute abend.
Wurst will ick braten mit Senf und Tomaten.
Ketschup pletschert uff meen Nicki.
Pass nicht zu dit Schickimicki.
Ick höre nur Lieder von V-Mann und Biggie.
Helmhotzplatz ist jiggie jiggie!
Ja, jiggie jiggie ist Helmholtzplatz,
Komm wir malen eine Sonne und die wird auch richtig bunt.
Wenn wir hier uffm Helmi tanzen, jeht det richtig rund.
(5x)
lalalala lalalala
lalalalala lalalala