Posts Tagged ‘Songtexte’

King Käpt’n Kliff

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Tillevision
Text: Steiner
(für Sroe)

Pauken, Trompeten, Trommeln und Glocken
reichen nicht aus, um die Leute zu rocken.
Die brauchen einen krassen Rap-Entertainer.
Die Bühne gehört der Legende Jenz Steiner.
Verwechsle mich bloß nicht mit Käptn John Meynert.
Die Schwalbe fliegt über den Eriesee.
Ich rudere durch die Spree in den Müggelsee.
Am liebsten würde ich zum Straussee fahren
und miete mir einen grünen Ausleihkahn.
Spring in Badehose und ins kühle Nass.
Da wird nicht nur meine Rübe nass.
Die Taucherbrillenoptik kommt richtig krass.
In meinen dicken Gummiflossen geb ich tüchtig Gas.
Das Wasser wird kälter. Es knirschen die Kiefer.
Es knackt in den Ohren. Ich tauch immer tiefer.
Ich fühl mich wie Neptun, der Meeresgebieter.
Ich öffne den Mund und schlucke fünf Liter.
Die kühle Brühe füllt die Lungenlappen.
Ich fühle, mir sitzt der Tod im Nacken.
Noch lange kein Grund, gleich abzukacken.
Ick kiek nach oben, seh den Sonnenschein.
Das Glitzern des Wassers haut besonders rein.
Die Lungen drücken tierisch doll und saugen sich mit Wasser voll.
Die Aveolen, die wollen gleich platzen.
Ich hab keinen Bock gleich abzukratzen.
Was gleich platzt, ist mein Trommelfell.
Die Orientierung unter Wasser, die verliert man schnell.
Links peng, rechts peng.
Das klingt als würde es mir den Schädel sprengen.
Oben ist unten und unten ist oben.
Die Anziehungskraft scheint wie aufgehoben.
Ich kotze gleich, dreh mich im Kreis.
In diesen Tiefen ist es kalt wie Eis.
Alles schmeckt nach Algen und Methan.
So wollte ich nicht zur Hölle fahren.
Wasserpflanzen streifen mein Gesicht,
Mein SOS, das hört man hier nicht.
Dreimal kurz, dreimal lang.
Steiner, streng Dich ein bisschen an.
Dreimal lang, dreimal kurz.
Ach dit Leben ist mir doch schnurz.
Ich lass mich in die Tiefe gleiten,
werde mir einen kühlen Tod bereiten.
Mein Leben lasse ich Revue passieren.
Warum musste mir das so früh passieren?
ich bin doch erst 29, knackig und frisch,
nicht alt und ranzig.
In meinen ganzen Kindheitserinnerungen
gibt es keine Verschlimmerung.
Ich kaute nie auf Rinde rum.
Ich liebe das Leben
und spinn gern rum.
Die Entscheidung ist gefällt.
Ich schwimm nach oben.
Ich Lieder singen
und durch Straßen toben,
Will Euch wieder sehen
und das Gras von oben.
Ich strampel mich ab,
ab Marsch nach oben.
Raus aus dem Wasser,
aufs gelobte Land.
Was nützt dem Bademeister
ein Toter am Strand.
Ich zweifel keine Sekunde,
dass ich das noch schaff,
doch der Wasserdruck ist doll
und ich fühl mich so schlaff.
Keine Zeit, um Kraft zu sammeln.
Langsam krieg ich tierisch Bammel.
Hab Panik wie auf einem sinkenden Schiff.
Die Beene verheddert im stinkenden Schilf.
Ich hoffe auf Rettung von King Käpt’n Kliff,
der Typ mit den Flossen, der Ertrinkenden hilft.
Auf dem Motorboot kommt er angedüst.
Ich merk wie er mich an den Armen zieht.
Mein Japsen nach Luft klingt wie ein Klagelied,
aber ich ja so froh, dass es mich ja noch gibt.

Fjutscha Remix

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Bagman
Text: Steiner, Dehf One, Bagman (Pilskills)

In der Schule sollte ich einen Aufsatz schreiben,
sollte das Jahr 2017 beschreiben.
Meinen Klassenkameraden fiel leider nichts ein.
Wir hatten eine Stunde Zeit,
musste mich tierisch beeilen.
Mein Schädel wollte platzen vor krassen Ideen.
Hab mich und meine Kumpels
in Untertassen rumschwirren sehen.
Jedem seine Schwebebahn,
ein kleines Aeroplan.
Im Rücken ein Bioport.
Ein Schnippen mit dem Finger
bringt mich hier fort.
Dreifach ist der Schritt der Zeit,
still steht die Vergangenheit.
Drehung, Drehung, step, step, step.
Ein klitzekleines Raumschiff,
das fänd ich nett.
Meine Freundin käm vom Planeten Pluto.
Wir wären voll glücklich
und das wäre die Zukunft.

Dehf One: Wer hat an der Uhr gedreht.
Es ist zwei-tausend-sechshundertzehn
Ich bin in meinem neunten Leben
und hab immer noch 99 Probleme.
99 Wege hab ich ausprobiert.
Keiner hat mich zu einem Garten mit Haus geführt.
Hab die Galaxien gesehen, fand sie schön,
aber mich irgendwie nicht dran gewöhnt. Nee.
Mir wird im Raumschiff immer noch schlecht
und die kleinen grünen Männchen sind mir viel zu frech.
Ich bin gestresst von Schwerelosigkeit, obwohl ich weiß,
so ist die Zeit. Gib mir alles.
Ich glaub, ich bleib lieber noch ein bisschen im Hier und Jetzt
auf einem Beat von Bag und einem Album von Jenz.

Bagman: Du läufst gerade so im Beta-Test.
Bei mir steht in den Metatags.
Meine Styles sind CSS.
und , oder .
“Ich bin im Haus.” war früher.
Jetzt sag ich “Ich bin im Netz.”
Das sind keine Nullen und Einsen.
Das sind Raps. Ich bin Bag. [...]
Ich krieg frische Updates täglich
für meinen Brainomat.
Wenn ich an was denke,
wird es erledigt.
Zack, ein Beat und zack, ein Text dazu.
Ich bin im Netz,
während die anderen Rapper
immer noch das Modem suchen.

Hasten Mädel

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Tillevision
Text: Steiner

Haste ein Mädel, dann führ sie auch aus.
Zu einem Steiner-Konzert.
Ja, dann wird auch was draus.
Und wenn sie noch rumzickt, dann lass sie gleich fallen,
denn Typen wie Du finden hier leicht Gefallen.
Die Girls hinter Dir schauen Dir voll auf den Arsch
und bestaunen Deine Muskeln als kämst Du vom Mars.
Im Scheinwerferlicht kann man Pickel nicht sehen.
Da wirkt jede Hackfresse als wär’ sie voll schön.
Mit wem würdest Du gern nach Hause gehen
und morgen Nachmittag ein Frühstücksei essen?
Ich hab Dich vorhin mit der Frau gesehen,
sie starrte Dich an als wäre sie besessen.
Besser kann es einem im Grunde nicht gehen!

Schubidu

Thursday, May 14th, 2009

Musik: Drumkid
Aufn.: Tillevision
Text: Steiner

Ich find Dich toll,
wenn Du neben mir so herläufst und wie die Sonne scheinst.
Hakel Dich ein! Leg Dein Kopf auf meine Schulter!
Schöner kann es nicht sein. Kauf mir ein Eis!
Und der Preis, den ich bezahl, ist ein Kuss so megaheiß,
dass Du gleich schwitzt und kicherst wie ein Mädel,
dem der Schalk im Nacken sitzt.
Ich bin verknallt und ich trau’ es mir zu sagen,
auch wenn Du mir eine knallst.
Ist mir egal, denn Liebe macht blind.
Ich sehe nur Deinen blauen Schal
mitten im Sommer

schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

Mit Dir ist gut spazieren gehen,
wir können auch noch in den Tierpark gehen
und, wenn Du blechst, das Nilpferd sehen.
Das Geld kann ich Dir wiedergeben.
Doch erstmal kannste mich doll drücken.
Meinen Kopf kraulen und meinen Rücken.
Mich in mein Ohrläppchen zwicken.
Knutschen unter Nietenbrücken.
Ich bin ein bisschen dick geworden.
Doch das macht mir keine Sorgen,
außer vor meinem Spiegel morgens.
Fühl Dich bei mir wie geborgen.
Was heißt hier wie?
Leg Deinen Kopf auf meinen Bauch
und streichel meine Knie!

schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

So is schön. So kann ick leben.
Mit Dir is voll anjenehm.
Mit Dir würd ich gerne gehen -
auf Zehenspitzen in den See.
Dich nass spritzen, wirst schon sehen.
Kalte Troppen an deinen Beenen.
Schnorcheln, paddeln, tauchen gehen.
Lass die Haare im Wind wehen.
Vergiss das ganze Randgeschehen.
Denk an mich und Spreeatheen.
Ick bin Dein tapferet Steenerleen
und find Dich toll und wunderschön
wie den Blick vom Fernsehturm,
auf Wüsten nur aus Stahlbeton,
wie den Blick von Deinem Balkon
wie Postkarten aus Libanon,
wie den Biss in eine Bratwurst,
wie Reliefs am Roten Rathaus,
wie Toiletten in nem Parkhaus,
wie Gedichte mit viel Pathos,
wie P-Berg nach dem Mauerfall,
wie Dich mit Deinem blauen Schal,
wie Heugeruch im Pferdestall,
wie Tony Touch am Gaspedal.

schubidu
schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

schubidu
schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

schubidu
schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

schubidu
schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

schubidu
schubidubididabdidu
dubidubidu
schubidu
schubidubididabdidu dubidubidu

Und was machst Du so?

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Tillevision
feat.: Jalda
Text: Steiner

Jalda: Und was machst Du so?
Steiner: Im Rampenlicht stehen,
zur Kaufhalle gehen, zu Hause rumsitzen,
neue Lieder aufnehmen.
Mit der Straßenbahn fahren,
im Krankenhaus rackern,
im Callcenter labern und Texte beackern,
Freunde begraben und wochenlang flennen,
Bräute angraben, die Maloche verpennen.
Prüfung verkacken und dreimal nachschreiben.
Steiner auf Bühnen und Steine auf Scheiben.
Mit einer versöhnen, sich mit der Anderen zerstreiten,
sich an Scheiße gewöhnen und Konflikte vermeiden.
Knutschen im Hausflur und Schultern massieren.
Sein wie man ist und Körbe kassieren.
Flaschen zerdeppern um cooler zu wirken.
Studieren mit Russen, Bulgaren und Türken.
Zu Fuß mit dem Rucksack zur Ostsee marschieren,
am Strand übernachten und alles verlieren.
Eine Ansage machen und sich tierisch blamieren.
Briefkästen anzünden und Prügel kassieren.
Vor Eifersucht platzen, sich wieder einkriegen.
Auf die Wange ‘n Schmatz und sich wieder verlieben.
‘Ne Wartenummer ziehen und sich schikanieren lassen.
Das Konto überziehen und den Dispo überlasten.
Notlügen erfinden, um den eigenen Arsch zu retten.
Gerüchte verbreiten und Vertrauen zu Freunden brechen.
Verzweifelt zu zweit und schweigend im Park.
Verzweifelt allein und schweigen am Sarg.
Den Lenker nach links ziehen in den Gegenverkehr.
Trotz allem Schmerz ist das Leben viel wert.
Freunde besuchen, die im Krankenhaus liegen,
Freunde besuchen, die ruhen in Frieden.
Haare abschneiden, von vorne beginnen.
Neue Schuhe kaufen als Imagegewinn.
Alles in sich fressen wie am kalten Buffet.
Verliebt sein ist cool, doch scheiden tut weh.
Abends nach Haus gehen und heulen und schreien,
mit Kumpels vorm Klub stehen und kostenlos rein.
Das Mic in der Hand und den Einsatz verpeilen.
Selber Party machen und die Flyer verteilen.
Drei Alben produzieren und allesamt verschenken,
völlig scheißegal, was die anderen davon denken,
mal vollkommen verzweifelt, mal ganz souverän,
mal baden im Straussee, mal im Regen stehen.
Krauchen durch Keller und alte Ruinen
Lokalpatrioten im alten Berlin!
Beim Schwarzfahren ertappt, beim Klauen gebustet.
Völlig übergeschnappt und ausgerastet.
Sixer betaggt und trotzdem entdeckt,
Lunte gerochen und Wunden geleckt.
Züge gerockt und Lay Ups gecheckt.
Eltern geschockt und ein Hobby entdeckt.
Angst vor der Zukunft und Konfrontation
mit der Vergangenheit und Burn Out Syndrom.
Hörsturz gehabt mit Pfeifen im Ohr,
mit Sternen vor den Augen,
das kommt schon mal vor.
Nichts draus gelernt und weitergeschuftet,
Beziehung gefährdet und weitergeschuftet.
Und? Was machst Du so? (2x)

Auf Arbeit wisch’ ich Scheiße weg (Teil 2)

Thursday, May 14th, 2009

prod., Cuts: V.Raeter
Text: Steiner

Baut Krankenhäuser und ihr werdet Kranke ernten.

Der metallene Blutgeruch kriecht tief in die Nasenhöhlen.
Ich kann die feinen Knochensplitter durch die Gummihandschuhe fühlen.
Gelber Eiter, grüne Tücher, gelber Eimer, grüne Tücher.
Edelstahl und grüne Kittel, Namensschild mit Doktortitel.
Mein Lappen zieht rote Spuren über glänzend weiße Fliesen.
Riech meinen Atem unterm Mundschutz, muss vom Reinigungsmittel niesen.
Sterilium hat meine Hände in den letzten Jahren zerfressen.
Der Blick des toten Mädchens wirkte unheimlich besessen.
Sie war noch warm als ich sie fand. Auf dem Flur roch es nach Essen.
Ich habe sie gestern noch gefüttert. Da hat sie hier gesessen.
Und jetzt nicht mehr. Und jetzt? Nicht mehr. Und jetzt?
Ihr Mund stand offen, der Schrank stand offen.
Das Fenster stand offen. Die Tür stand offen.
Die Zimmernachbarin senkt den Kopf und guckt betroffen.
Starb sie an den Schmerzen?
Starb sie an den Ärzten?
Starb sie an der Einsamkeit und Leere in ihrem Herzen?
Nach der letzten OP tat ihr jeder Knochen weh.
Ich habe sie seitdem nur noch qualvoll leiden sehen.
Ihr Gesicht aus Porzellan ist mir heut im Traum erschienen.
Weiße Lippen voller Glanz, keine Falten, keine Grübchen.
Ich wische ihren Nachtschrank aus,
wisch den Staub aus allen Schüben
und packe ihr Hab und Gut in kleine schwarze Tüten,
die ich beschrifte und beklebe und der Schwester übergebe.
Zettel, Briefe und Gedichte sind sind seit gestern Null und nichtig.
Ich kannte sie nur flüchtig. Sie war mir auch nicht wichtig.
Diagnosen und Berichte sind von nun an Null und nichtig.
Sie kannte mich nur flüchtig. Ich war für sie nicht wichtig.

Weiße Kurven zieht mein Lappen über die graue Gummimatratze.
Ich sehe meinen Lappen verschwommen.
Mir zittert schon die Nase. Was ist nur mit mir los?
Die sollen mich früher gehen lassen.
Ich schmeiße heute meinen Job.
Im Sommer werde ich eh entlassen.

Man stirbt nicht nur an einer Krankheit.
Man stirbt an einem ganzen Leben.

Da hängt ihre Jacke

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Dehf One
aufn.: Tillevision
Text: Steiner

Da hängt ihre Jacke.
Da hängen ihre Fotos.
Bis jetzt weiß noch niemand,
dass sie schon tot ist.
Der Kamm und die Bürste,
noch vorhin benutzt.
Vor 20 Minuten die Zähne geputzt.
Den Schlüssel geschnappt,
zum Bus gerannt,
das Frühstück vergessen,
den Rücken verspannt,
die letzte Nacht voll schlecht geschlafen,
die letzte Nacht voll schlecht geschlafen,
zerwühltes Laken, vorm Bett das Kissen,
das Bild vom Nachttisch umgerissen,
im Notizblock drei Termine,
Kassetten von Hitchkock – Drei Detektive.
Flinken Fußes zur Bushaltestelle.
Ein Blinken, ein Hupen, ein Krachen voll schnelle,
ihr Körper im Regen, die Hände noch warm,
sie wird sich nicht regen, es blutet der Arm.
Im Büro kommt sie nicht an,
Verspätung bei der Straßenbahn.
Der beste Freund ruft bei ihr an.
Ans Telefon geht sie nicht ran.
Er hört sich ihre Stimme an.
Ihre Stimme gebannt auf Band.
Zum allerletzten Mal.
Ihm grummelt der Magen.
Er macht sich Sorgen.
Ein dumpfes Gefühl
schon nachts und morgens.
Zum allerersten Mal.
Der Krankenwagen braucht kein Blaulicht,
weil in ihm eine tote Frau liegt.
Eine Freundin sieht den Unfallort
und denkt sich nichts und geht wieder fort.
Betretenes Schweigen im Bullenrevier.
Wer soll die Eltern informieren.
Niemand weiß es, niemand reißt sich.
Ist schon 11.35 Uhr.
Einer sagt: „Es ruft die Pflicht.“
Zwei Andere werden losgeschickt.
Sie gucken sich an. Sie gucken geknickt.
Die Eine seufzt, der andere nickt.
Kein Wort im Auto, keine Silbe.
Der Tag ist voll schön, das Wetter so milde.
Sie klingeln an der Tür.
Hinter der Tür zuckt die Mutter zusammen.
Sie zieht sich was über, geht zögerlich ran
und öffnet einen Spalt, ihr wird tierisch kalt.
Sie merkt wie es im Magen sticht
und liest die Nachricht aus seinem Gesicht,
bevor der Polizist sein Beileid ausspricht.
Ihr dröhnt es im Kopf, es flackert das Licht.
Sie rennt zum Fenster, überlegt zu springen,
denn ohne die Tochter hat das Leben keinen Sinn.
Da kann sie nicht machen. Sie zögert zu lang.
Sie fühlt sich zerbrochen, doch reißt sich zusammen.
Ein Schrei erstickt in ihrer Kehle,
verloren ein Teil von ihrer Seele,
von Körper und Geist, von ihrem Leben.
Sie sammelt die Kräfte, wird ruhig und besonnen.
Was sagt sie dem Vater, wenn er wiederkommt.
Unsere Tochter ist gestorben.
Der beste Freund wird angerufen.
Auf dem Weg zu ihr noch 14 Stufen
bis zu ihrer Wohnungstür.
Doch sie ist schon nicht mehr hier.
Er beißt auf die Zunge und schlägt gegen die Wand.
Ein verzweifelter Junge mit blutiger Hand.
Er hat was geahnt, doch nichts gewusst.
Es blieb keine Zeit für einen Abschiedskuss.
Er wollte mit ihr durch die Straßen tollen.
Er hat ihr noch soviel sagen wollen.
geschmiedete Pläne erübrigen sich.
Nur Angst und Verzweiflung in seinem Gesicht.
Familie und Freunde sitzen zusammen
in trauriger Runde am späteren Abend.
Es klafft eine Lücke in ihrem Kreise.
Nur schimmrige Augen, ein Wimmern ganz leise.
Fotos von ihr werden rum gegeben.
Es scheint ganz normal als würde sie leben.
Drei Kerzen brennen vor ihrem Haus.
Daneben ein bunter Blumenstrauß.
Ein Kind bringt seine Mutter zum Stehen
und fragt voller Neugier:
„Was ist hier geschehen?“
Sie schnappt seine Hand und zieht es schnell weiter,
verschwindet im grauen Gedränge der Leute.
Von Formalitäten die Eltern geplagt.
Standesamt und Bestatter und die Kosten fürs Grab.
Nur innere Unruhe, die Nacht ohne Schlaf.
Ein orangener Container, der draußen steht.
Ihre Wohnung wird jetzt aufgelöst.
Die Mutter riecht an ihren Kleidern
und will den Wäscheberg hinschleudern.
Geistesabwesend am Tag der Bestattung
taumeln die Eltern zum Grab und ermatten.
Gleißende Sonne und Glockengeläute,
Vogelgezwitscher und trauernde Leute.
Dutzende Blicke fallen auf den Grund.
Ein Biss in die Lippe, ein zuckender Mund.
Zum Abschied erklingt ihr Lieblingslied,
weil man sie nie wieder sieht.

Schlaflied

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Tillevision
Text: Steiner

Du willst schon schlafen gehen?
Okay, ich koch Dir noch einen Tee.
Kuschel Dich ein!
Ich komme gleich nochmal vorbei
und sing Dir das schönste Schlaflied
von der ganzen, ganzen Welt.
ich küsse Deine Nasenspitze,
wenn ich auf Deinem Laken sitze.
Bin Dein Sandmann, hab Dich gern.
Für Dich leuchtet da ein Stern.
Der ist gar nicht weit entfernt.
Im Traum wirst Du ihn kennen lernen.
Mit Dir macht das Träumen doppelt so viel Spaß.
Dit kannste wissen. Bist meene kleene Prinzessin.
Trag mein Nicki. Es riecht nach mir.
Ich bin Dein größtes Kuscheltier.
In Gedanken stets bei Dir.
Merkst Du die Verspannung hier?
Die kann ich gleich mal wegmassieren.
Deck Dich zu. Du sollst nicht frieren.
Ich bin Dein größtes Kuscheltier.
Guck, jetzt winkt der Teddy Dir.
So ein liebenswertes Tier!
Sein Fell riecht nach Deinen Tränen.
Er hat Dich so oft weinen sehen
und Dir soviel Trost gespendet.
Kalt sind Deine Patschehände
wie ne Eisbahn im Dezember.
Wärm sie unter meinem Hemde.
Deine Augen sind so schwer
wie ein altes Zirkuspferd.
Und im Traum wirkt alles sehr
simpel und so unbeschwert.
Traumhaft ist ein Kuss von mir.
Du willst ihn gleich.
Dann hol ihn Dir.
Reit hinüber , bittesehr,
plötzlich steht die Welt verkehrt,
blinkert bunt und dampft und schwirrt
durch den Kosmos unbeirrt.

Die Straße, ein Schlachtfeld

Thursday, May 14th, 2009

prod.: Tillevision
Text: Steiner

Straßen voller Wut
Gehweg voller Blut.
Will hier weg, denn zum Kampf fehlt mir der Mut.
Robocops um mich rum.
Schwarze Uniformen.
Keine Chance.
Spiel mir das Lied vom Tod.
Ich steh wieder in einem Kessel.
Kabelbinder als Handfessel.
Knüppel und Gas.
Blutverschmierte Fressen,
‘ne Frau mit Kinderwagen,
Hinterkopf aufgeschlagen,
schreit wie Schlachtvieh,
wird im Sitzen rausgetragen.
Die Straße – ein Schlachtfeld
wie komm ich hier jetzt raus. (2x)

Angsterfüllte Blicke
rennen durch Berlin Mitte.
Spüre die Stahlkappen,
richtig feste Tritte.
Knüppel in die Nieren,
fange an zu frieren,
alles nass vom Wasserwerfer
mit Tränengas.
Ein Hausflur, ein Hof,
in den Seitenflügel hoch.
Mausefalle zugeklappt.
Was bin ich nur so doof?
Es brodelt in mir.
Hocke vor der Bodentür.
Die Stunden ziehen vorbei.
Es ist schon nachts um vier.
Durchgetränkte Schuhe.
Draußen endlich Ruhe.
Bin mir nicht sicher,
was ich jetzt als Nächstes tue.
Vielleicht stehen die Zifften gleich unten vorm Haus.
Mir ist kalt, ich muss pinkeln,
ich muss hier jetzt raus.
Es knarren die Treppen.
Mir knurrt der Bauch.
Die Straßen leer und zerkloppt,
verzogen der Rauch.
Die Straße – ein Schlachtfeld
wie komm ich hier jetzt raus. (4x)

Ich 26 34

Thursday, May 14th, 2009

prod.: V.Raeter
aufn.: Cutterlysator
Text: Steiner

Von Wand zu Wand sind es gerade mal drei Schritte,
mit ausgestreckten nackten Armen stehe ich in der Zellenmitte.
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin, so nimmt das Leben seinen Lauf.
Mein Gesicht ist eine Uhr, müde Augen sind die Zeiger.
Sie finden keine Ruhe und rennen immer weiter.
Das Herz gibt den Takt für den Pendelschlag der Arme.
Ihnen mangelt es an Kraft, doch sie können nicht erlahmen.
Die Heizung ist kalt, der Fußboden eisig.
Die Wände sind feucht, die Hände sind eisig.
Ich wiederhole meinen Namen, denn was ich weiß, das weiß ich.
Mein Name ist die Nummer 26 34.
Wie lang bin ich eigentlich schon in diesem Bau hier eingezwängt.
Meine Haut, die spannt sich unterm blauen Leinenhemd.
Ein sanftes zittern in den Augenlidern.
Endlos das Bibbern in Bauch und Gliedern.
Ich fühl mich bedrückt, sink auf den Schemel zurück.
Dass ich noch lebe, schätze ich grad nicht als Glück.
Meine Finger spüren seitlich den herausragenden Nagel.
Der stetige Gedankenhagel ist die allergrößte Plage.
Meine Hände gleiten langsam über roh geschnittenes Holz.
Ich hab soviel erreicht, darauf war ich einmal stolz.
Ich: 26 34. Ich: 26 34.
Arbeitszeugnis vom Betrieb, Prädikat „besonders fleißig“.
Ich spüre kaum das Ritzen in den eigenen Leib.
Ich spüre nur die Ritze in meiner Vergangenheit.
Farblos und schmutzig schimmert das Fenster.
Ich sitze hier fest und bin gar kein Gangster.
26 34 hinter kantigen Gitterstäben.
Es gab mal eine Zeit, die nannte ich gern Leben.
Alles, was mich ausmacht,
verblasst wie die Vergangenheit.
Noch kann ich einen schwachen Stern blinzeln sehen.
Wo sind sie hin, die schönen Tage am Müggelsee,
die Gründerzeitfassaden, die Schönhauser Allee,
die Schwärme tausender Krähen über den Dächern der Charite´?
Die Uhr fragt mich, sie fragt mich nach der Zeit.
Sie fragt mich nach der Zeit.
Sie ist der Staatsanwalt. Ich tue ihr nicht mal Leid.
Hoffentlich wird sie mich heut nicht ansprechen.
Warmes Blut fließt über meine Handflächen.
Ich fürchte jeden Schlag, jeden Schlag zur vollen Stunde,
Mitternacht und Mittag, jede Zwölferrunde.
Ich merke wie der Schmerz durch meine Finger kriecht,
die Pritsche eingeklappt, damit niemand in seinem „Zimmer“ liegt.
Ich weiß keine Antwort auf die scharf ritzenden Fragen.
Der Sprung aus dem Leben, ich würde ihn wagen.
Ich starre in den Abend, er scheint regenbeladen,
knall meinen Kopf gegen das Gitter,
in ihm hämmern die Fragen.
Mein heißer Körper zuckt vom eisigen Metall.
Zieh mich am Gitter hoch und lass mich wieder fallen.
Ich bin hier gefangen, doch wer ist in der Ferne?